Theater der 2. Klassen

Die Schule am Grafel hat im Jahr 2003 ein pädagogisches Konzept entwickelt, das in jeder Klassenstufe eine wöchentliche Schulstunde für das Fach „Soziales Lernen“  vorsieht. In den ersten zwei Schuljahren übernimmt Frau Claudia Warnke, unsere Mitarbeiterin für die Schulsozialarbeit, die konzeptionelle und ausführende Leitung des „Sozialen Lernens“ in Begleitung der jeweiligen Lehrkraft. Im dritten und vierten Schuljahr hält eine Lehrkraft diese Unterrichtsstunden.

 Die „Soziales Lernen-Stunden“ der ersten Klassenstufe werden von „Joki“ begleitet. Joki ist ein Tukan in Form einer Handpuppe, die von Frau Warnke gespielt wird. Joki geht in in die zweite Klasse einer Tierschule und hat somit dieselben Wünsche und Sorgen wie die Kinder. Er hat schon eine ganze Menge über das Sozialverhalten lernen müssen, da er sehr lebendig ist und auch mal Streit und Probleme hat. Die Kinder lieben Joki, weil er ihnen selbst so ähnlich ist. Mit ihm können die Kinder viele Probleme besprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Sie lernen durch Joki ein „guter Freund“ zu sein.
Im ersten Schuljahr hilft er auch dabei die sozialen Kompetenzen in Bezug auf die Sinnes- und Raumwahrnehmung zu erweitern. Die Selbstwahrnehmung der Kinder wird durch Körperkoordinationsübungen und Entdeckungsreisen des eigenen Körpers geschult. Die Schüler erlernen spielerisch beispielsweise die allgemeinen Umgangsregeln zum gegenseitigen Zuhören, sich etwas „Schönes zu sagen“, die eigenen und die Gefühle des anderen zu erkennen, Formen der Abgrenzung von anderen („Stopp!“ sagen) usw.  
 
Im zweiten Schuljahr  beginnt das Theaterprojekt. Als ausgebildete Theaterpädagogin/ und Therapeutin  entwickelt Frau Claudia Warnke mit den Kindern im Laufe des Schuljahres ein Theaterstück, das am Ende des Schuljahres vor der Schulgemeinschaft, den Verwandten  und auch vor verschiedenen sozialen Einrichtungen Rotenburgs vorgeführt wird. Frau Warnke schreibt die Konzepte der Theaterstücke selbst, um sie den Bedürfnissen und den entsprechenden Lernfeldern der Kinder anzupassen. Die Kinder arbeiten die Geschichte dann individuell aus.
Theaterspielen erfordert eine Menge sozialer Kompetenzen, wie das gegenseitige Zuhören, aufeinander achtgeben und miteinander arbeiten. Es fördert einen aufmerksamen Umgang mit der Sprache, z. B. deutliches, lautes, ausdrucksstarkes und freies Sprechen. Die Kinder lernen eine Ausdrucksform für eigene Gefühle zu finden und den Gefühlsausdruck anderer zu verstehen. Die Empathiefähigkeit wird durch das Hineinschlüpfen in die verschiedenen Rollen (also auch in die verschiedenen Sichtweisen) angeregt und gefördert.
Theater funktioniert nur mit Hingabe und Disziplin. Die Kinder entwickeln Eigenverantwortung durch selbstständige Entscheidungsprozesse und zusätzliche Aufgaben, wie z.B.die Begleitung des Stückes mit Musikinstrumenten, Regieassistenz, Lichtanlage etc. Durch die anschließenden Aufführungen erfahren die Kinder große Anerkennung und Wertschätzung von den eigenen Mitschülern und den Zuschauenden. Ihr Selbstwertgefühl und auch ihr Selbstvertrauen wird erheblich gestärkt.
Auch die Eltern werden mit in den Theaterprozess integriert. Es werden gemeinsam Kostüme entworfen, Bühnenbilder erstellt, Requisiten gebastelt. Engagierte Eltern können bei den Theaterproben unterstützend dabei sein.